Die genauen Ursprünge und Inhalte des skandinavischen Julfestes liegen im Dunkeln. Auch der Termin unterschied sich vermutlich von Region zu Region. In manchen Gegenden wurde es wohl zur Wintersonnenwende gefeiert.

Schon seit dem sechsten Jahrhundert taucht in vielen nordischen Sprachen die Silbe „jul“ (oder etwas ähnlich Lautendes) auf – und scheint ein winterliches Fest zu beschreiben. Nach Ansicht mancher Historiker hat man das Julfest zu späterer Zeit, im mittelalterlichen Skandinavien, auf den 25. Dezember gelegt, um es dem christlichen Weihnachten anzupassen. Als widerlegt gilt die gegengesetzte These, das Weihnachtsfest habe die Tradition des germanisch-skandinavischen Julfestes aufgegriffen. Wahrscheinlich ist, dass das heidnische und das christliche Fest wenigstens eine Zeitlang parallel zueinander bestanden.

Lebendige Tradition des Julfests

Gerade in Skandinavien erinnern noch immer viele Bräuche an das alte Julfest: Das Wort „Jul“ bedeutet in den meisten Sprachen Weihnachten und wer „God Jul!“ wünscht, meint „Frohe Weihnachten“. Unter vielen nordeuropäischen Weihnachtsbäumen steht heutzutage der „Julbock“, ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock. Dieser Julbock soll auf sehr alte Traditionen zurückreichen, die bereits in vorchristlicher Zeit entstanden sind. Außerdem werden unter den Weihnachtsgästen die mit Versen beschrifteten und mit kleinen Gaben gefüllten „Julklapp“-Päckchen verschenkt. Das Besondere am Julklapp sind die zahlreichen Lagen Geschenkpapier, die in einem heiteren Ritual nacheinander abgewickelt werden.

In Deutschland hat das Julfest eine absurde Facette durch die Germanisierungsbemühungen der Nationalsozialisten erhalten, die das Weihnachtsfest mit dem Julfest und den Christbaum mit der Jultanne ersetzen wollten. Möglichst alle christlichen Insignien sollten durch „völkische“ Symbole ersetzt werden. Zum Glück ist es nicht soweit gekommen, und heute darf jeder Weihnachten oder das Julfest genauso feiern, wie er es für richtig und angemessen hält.

Julfest