Maria legte ihren Sohn Jesus „in eine Krippe“, so heißt es im Lukas-Evangelium. Diese knappe Bemerkung (und wenige weitere Stellen der Bibelübersetzung) waren der theologische Hintergrund für die Weihnachtskrippe. Während die Darstellungen im frühen Christentum noch sehr sparsam waren, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein breites Spektrum an Krippen – mit einer Vielzahl an Figuren, Materialien und künstlerischen Ausdrucksformen.

Weihnachtskrippe – © Dieter Schütz / Pixelio.de

Das Christuskind bekommt Gesellschaft

Die allerersten Bildnisse von Christi Geburt zeigen das Jesuskind ganz alleine mit Stalltieren. Erst im Mittelalter rückt Maria, noch später Josef, an seine Seite. Heutige Krippen sind häufig von zahlreichen Figuren bevölkert, die das Kind in der Futterkrippe umringen: Maria und Josef, Hirten und Engel, und nicht zuletzt die heiligen drei Könige. In katholischen Gegenden ist es oft üblich, die Weihnachtskrippe zu Beginn der Adventszeit aufzustellen und zu Weihnachten und dem Dreikönigstag mit den passenden Figuren zu vervollständigen. In evangelischen Regionen wird die Krippe üblicherweise gleich mit einem vollständigen Ensemble ausgestattet. So wird die Weihnachtskrippe eine Art Zeitraffer der Weihnachtsgeschichte von der Verkündigung an die Hirten bis zur Ankunft der Weisen aus dem Morgenland.

Weihnachtskrippen vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Als einer der Inspiratoren der sich entwickelnden Krippen-Bildersprache gilt der heilige Franz von Assisi. Er soll im Jahr 1223 eine Predigt mit lebenden Tieren gehalten haben. In den folgenden Jahrhunderten kamen bildhafte Darstellungen immer mehr in Mode. Den nächsten wichtigen Schritt leitete im 16. Jahrhundert der Jesuitenorden ein. Er wollte den Gläubigen die Weihnachtsgeschichte durch szenische Darstellungen näher bringen. Um 1560 errichteten die Jesuiten eine Weihnachtskrippe in einer portugiesischen Kirche. 1562 folgte eine Krippe in Prag, die als Ausgangspunkt der modernen Weihnachtsdarstellungen gilt. Zur Zeit des Barock hielten Krippen in vielen Gotteshäusern Einzug. Einen großen Einfluss auf die künstlerische Entwicklung in Europa nahm seinerzeit der Krippenbau aus dem italienischen Neapel. Zur Zeit der Aufklärung (im späten 18. Jahrhundert) waren Krippen in Kirchen teilweise verboten. Nach Aufhebung des Verbots war der allgemeine Siegeszug der Weihnachtskrippe aber nicht mehr aufzuhalten. Nachdem es gelang, die Krippenfiguren preisgünstig in Serie herzustellen, konnten und wollten sich ab dem 19. Jahrhundert viele Privatleute eine eigene Hauskrippe leisten.

Heutige Krippenbaukunst

Neben standardisierten Krippen aus Massenproduktion hat sich der Krippenbau weiterhin als begehrtes Kunsthandwerk erhalten. In manchen europäischen Regionen werden Krippen nach traditionellen Motiven aus Holz geschnitzt. Dabei wurde das Wunder von Christi Geburt aus dem fernen Bethlehem optisch nach Europa verlegt: Statt Palmen und Orient zeigt die Bildersprache beispielsweise Alpen- oder Mittelgebirgslandschaften. Zentren des heutigen Krippenbaus sind unter anderem Süddeutschland, Österreich, Tschechien und Südtirol. Im Südtiroler Grödnertal ist die Holzschnitzkunst seit dem 17. Jahrhundert zu Hause. Heute lassen sich die Erzeugnisse sogar im Internet erwerben, zum Beispiel in dem spezialisierten Shop lignoma.com. Denn wie die Geschichte des Krippenbaus zeigt, sind Tradition und Veränderung keine Gegensätze.

Die Weihnachtskrippe – Geschichte und Gegenwart